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yoga - retreat tag 3

- tagebuch vom retreat, gespickt mit wissenswertem über wellness, ernährungsumstellung und meditation -

Fast hätte ich verschlafen. Rasch, rasch mach ich mich fertig für die Morgensession – als ich den Bewegungsraum erreiche, sind alle anderen schon versammelt. Wir tauschen uns über die Wirkung der gestrigen Meditation aus. Den anderen Teilnehmern hat sie besonders tiefen, besonders erholsamen Schlaf beschert. Nur mich hat der Effekt so lange wach gehalten. Das Yoga das wir heute praktizieren erscheint mir schon ein wenig fließender, nach und nach kommen wir von der sorgfältigen Grundlagenarbeit zu einer lebbaren Yogapraxis – das gefällt mir gut. Ich mag das Fließen der Asanas beim Sonnengruß sehr – erst wenn die Haltungen im Einzelnen so verinnerlicht sind, dass ich sie ohne nachzudenken korrekt durchführen kann, kommt der Geist beim Praktizieren zur Ruhe und das Yoga entfaltet seine ganzheitliche Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Vorher, ist es wohl mehr ein Dehnen und Turnen. Nachher, spirituelle Praxis, Ausdruck meiner allgegenwärtigen Buddha-Natur.


Beim Frühstück leistet mir heute unser Trainer Gesellschaft. So sehr ich das alleine Reisen schätze, so sehr genieße ich den sozialen Austausch, nachdem ich ja schon angemessen Zeit für mich und mit mir alleine hatte. Wir reden über das Yoga und das Leben, und ich wäre nicht ich, wenn wir nicht auch über Ernährung sprechen würden. Ich kann Florian ein paar Hinweise für die Zusammenstellung eines gesundheitsfördernden Frühstücks geben. In der Gesundheitsberatung, die ich zu geben suche, geht es nicht darum, uns Nahrungsmittel, die wir lieben, zu verbieten. Vielmehr versuche ich, ein Verständnis für das Prinzip des Ausgleichs zu vermitteln, was sich ja auch sehr gut mit Florians Ausführungen zur Körperhaltung und zum Yoga deckt. Im Alltag sitzen wir meist eher vornübergebeugt, mit eingesunkenen Schultern und krummem Rücken – wir finden den Ausgleich dazu in den streckenden, öffnenden Asanas. Lieben wir in unserer Ernährung die leckeren säurebildenden Komponenten, so wirkt es oft schon Wunder, diesen eine angemessene Menge an Basen gegenüberzustellen. Mit gewissen Tricks sind diese Basen-Portionen nicht weniger lecker als der geliebte Frühstückskakao. Wir können uns viel Gutes tun, in dem wir Kohlensäure aus unserem Wasser verbannen. Eine schwere Mahlzeit, der wir einen blattreichen grünen Salat voranschicken, belastet uns weit weniger, als die übliche Menüführung. Ich bringe meine Überzeugung zum Ausdruck, dass punktuelle Radikal-Maßnahmen, wie zum Beispiel dreiwöchiges Basenfasten, kaum einen langfristigen Nutzen bringen. Unser Körper ist auf die Ernährung eingestellt, die wir eben praktizieren. Jemand, der sich ballaststoffarm und kohlenhydratreich ernährt, verfügt über eine Darmbesiedelung, die auf die Verstoffwechselung genau dieser Nährstoffe spezialisiert ist, und diese auch einfordert. Überflute ich eine solche Darmflora nun plötzlich mit reichlich basischen pflanzlichen Fasern, ist einfach niemand da, der damit etwas anfangen kann – ich fühle mich aufgebläht und unwohl, und der gesundheitliche Nutzen der ballasstoffreichen Ernährung stellt sich nicht ein, da sie einfach nicht wirklich verwertet werden kann, zudem fühle ich mich hungrig, missmutig und unerfüllt, weil die in mir residierenden Bakterien nach dem für sie brauchbaren Futter gieren. Nur nach und nach kann ich diese Besiedelung zum Guten hin verändern: ich füge achtsam und geduldig die präbiotischen Stoffe, das sind die, von denen die erwünschten Darmbakterien leben, meiner gewohnten Ernährung hinzu, immer mehr davon, und immer mit einem wachen Bewusstsein für die Signale meines Körpers. Erst wenn ich eine hinreichende Menge der förderlichen Lebensmittel in meinen Speiseplan integriert habe, hat es Sinn, über das Weglassen der weniger gesunden Stoffe nachzudenken. Eine Ernährungsumstellung, die auf diesem Weg durchgeführt wird, dauert vielleicht zwei oder drei Jahre, aber sie wird langfristig beibehalten werden, kontinuierlich zu immer größerem Wohlbefinden führen, und überlastet meine Verdauung und meine Entgiftungskapazitäten zu keinem Zeitpunkt.


Bei der heutigen Nachmittags-Session bekomme ich endlich das Gefühl, nun auch für eine regelmäßige Yoga-Praxis alleine zu Hause befähigt zu sein. Wie lieb von der Merkur-Versicherung, uns alle mit gebrandeten Yoga-Matten zu beschenken :D – so nehmen wir einen handfesten Anker mit nach Hause, eine physische Einladung, das Gelernte ins eigene Leben zu integrieren. Mittlerweile spüre ich auch einen sanften, wohltuenden Muskelkater – ob der vom Yoga oder vom täglich Schwimmen kommt, kann ich nicht sagen. Aber ich mag dieses Gefühl, die Muskelfasern zu spüren, die meinen Körper zusammen, die meine Haltung kraftvoll und aufrecht halten. Ich mag die Erdung, die Verbundenheit mit dem Physischen, die mir ein kleiner feiner Muskelkater schenkt. Erdung ist für mich ein ganz wichtiges Thema, denn ich neige dazu, meine Energie in den Kopf und darüber hinaus schießen zu lassen, und profitiere stark von allem, das diese Energie hinunter, zu meinen Wurzeln, in mein sinnliches Erleben zieht und dort verankert. Florian bringt uns heute die Grundtechnik des Pranayama nahe. Wir üben ein paar Minuten lang die Wechselatmung, bei der das Aus- und Einatmen abwechselnd nur durch das linke, nur durch das rechte Nasenloch erfolgt. Diese Übung hat eine verheerende Auswirkung auf mich, binnen weniger Momente verliere ich mein schönes geerdetes Körpergefühl, mein Kopf saust, meine Ohren pfeifen, und ich erlebe fast so etwas wie eine kurze Panik. Wieder einmal erfahre ich, wie unschätzbar wichtig es ist, bei mir selbst zu bleiben und meinen Körpersignalen volle Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Praxis kann objektiv noch so wertvoll sein – wenn sie nicht den Ausgleich darstellt zu dem, wovon ich persönlich ohnehin viel in mir habe, wird sie mir mehr schaden als nützen. Nach den höchstens fünf Minuten Pranayama brauche ich Stunden, um mich wieder wohl zu fühlen. Damit möchte ich diese altehrwürdige Praxis keinesfalls abwerten – sehr viele Menschen hängen doch mit ihrem Bewusstsein ganz fest im materiellen Universum fest, und für sie wird Pranayama Großartiges ermöglichen. Für mich, die ich weite Strecken meines Lebens „mehr dort als hier“ war, ist sie aber nicht geeignet.


Und was ist nun mit Meditation? Ist sie nicht auch eine Praxis, die uns aus dem Körper in „höhere Sphären“ zieht? Nein. Gute Mediation, wie zum Beispiel die Achtsamkeit auf den Atem, verankert uns zutiefst im Hier und Jetzt, lässt uns zugegen sein bei den körperlichen Prozessen, die jetzt gerade stattfinden, und schafft wunderbaren, stets heilsamen Ausgleich für jede Art von innerem Ungleichgewicht: Wer zu sehr dem Körper verhaftet ist, bekommt durch das leicht-luftige Fließen ein Gespür für das Feinstofflichere. Wer dazu neigt, sich im Feinstofflichen aufzulösen, hält mit Meditation ein Werkzeug zur Verankerung im Physischen in der Hand. Ein zu träger Geist findet in dieser Praxis energetisierende Kraft und Ausrichtung, während ruhelose Gemüter hier endlich die ersehnte innere Ruhe erfahren. Mediation, so kommt es mir vor, ist ein Bindeglied zwischen den Welten, ein Allheilmittel für jede Art des Ungleichgewichts. Meditation ist der Bewusstseinsleim, der meine verstreuten Energien und widersprüchlichen Anteile zusammenführt und harmonisch vereint.

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