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training von innen nach außen

- slacklinen, ganzheitliches training auf vielen ebenen -


Vergangenen Sommer leistete ich mir einen richtigen Ego-Urlaub: zweieinhalb Wochen ganz allein im besten Wellness-Hotel, das ich kenne. Ohne Kind, ohne Mann, ohne Freunde: nur ICH. Dort habe ich zum ersten Mal ernsthaft versucht, zu laufen, zu trainieren, kurzum: die Sportlerin in mir zu erwecken. Erster Tag: 25 Minuten ziemlich anstrengendes Joggen. Zweiter Tag: immerhin schon 35 Minuten und ein extrem aufregendes E-Mountainbike-Erlebnis. Dritter Tag: 50 Minuten laufen ohne Probleme und zum ersten Mal Bouldern in der Halle, sofort mit vollem Erfolg. Ich war überwältigt von meinem schnellen Trainingsfortschritt! Von da an gab es kein Halten mehr, und ich haxelte, radelte, stemmte und kletterte jeden Tag einige Stunden.


Meine Mitstreiter und Trainer wollten mir nicht glauben, dass ich gerade erst begonnen hatte, mich fit zu machen. Ich konnte es ja selbst kaum fassen. Vor drei Jahren noch war ich ein ziemliches Wrack; mit einem sehr schmerzhaften Gleitwirbel im Kreuz, meiner instabilen Halswirbelsäule und meiner ererbten allgemeinen Hypermobilität schien sportliche Betätigung nur unter Lebensgefahr möglich. Zwar mache ich schon immer dank meiner Führerscheinlosigkeit ziemlich viel Alltagsbewegung, zu Fuß, am Fahrrad und beim Garteln, aber alles darüber hinaus traute ich mir nicht zu, reichte doch schon ein zu harter Schritt, um mir das Fußgelenk zu verknacksen, oder das Beißen auf eine Nuss, um mir meine gefürchtete HWS-Migräne einzubringen. Für meinen Rücken hatte ich eine medizinische Stützkorsage verordnet bekommen, die sollte ich tragen, wenn ich mich bewegen wollte, und mich ansonsten möglichst schonen. Naja. Von der Korsage hab ich nie viel gehalten – hätte ich die benutzt, könnte ich mich heute gar nicht mehr selbst aufrecht halten, davon bin ich überzeugt. Stattdessen versuchte ich mich mit flottem Gehen und intensiver Gartenarbeit über Wasser zu halten, und meine Konstitution tümpelte so vor sich hin.


Der Wendepunkt kam vor drei Jahren, als mein kleiner Sohn am Badesee mit den Slacklinern anbandelte, die dort im Sommer zu bestaunen sind. Nach ein paar wackeligen Schritten auf dem Band an meiner Hand wollte er unbedingt eine eigene haben, und sein Opa erfüllte ihm diesen Wunsch, so dass seit dem das knallgelbe Bandl meinen hübschen Garten ziert und eine radikale Sperrlinie zwischen meinem Haus und meinem Feld darstellt. Anstatt also jedes Mal einfach darüber zu steigen, stieg ich jedes Mal wenn ich vorbei kam, kurz drauf – ganz unambitioniert und mehr aus Jux. Ich war wirklich verblüfft, als ich nach vielleicht zehn Tagen plötzlich in der Lage war, darauf zu stehen, und begann jetzt ein bissl ernsthafter, es zu versuchen. Erste erfolgreiche Schritte ließen nicht lange auf sich warten, und mein Eifer nahm zu. Nicht sehr: sicher habe ich in diesem ersten Sommer an keinem Tag mehr als fünf Minuten mit dem Slacklinen verbracht. Und dennoch waren die Veränderungen in meiner Konstitution am Ende des Sommers nicht mehr zu übersehen: meine stets unzuverlässigen Fußknöchel waren unangreifbar geworden. Mein Gleitwirbel machte überhaupt keine Beschwerden mehr. Und das wunderbarste – meine Halswirbelsäule stabilisierte sich zunehmend. Warum?


Wenn Du auf der Slackline übst, absolviert Deine Mikromuskulatur ein permanentes unwillkürliches Training – ständig gleichst Du kleine Schwingungen und Rucke aus und benutzt dabei Deine durch sonstiges Training so schwer anzusprechende Tiefenmuskulatur, die Deine Wirbel und Gelenke umgibt. Dadurch erhältst Du ziemlich schnell einen perfekten muskulären Unterbau, der Dich bei der Ausübung jeder anderen Sportart schützt und stützt. Du betreibst damit regelrecht einen Aufbau von innen nach außen, und schonst dadurch Deine Gelenke, Sehnen und Bänder.


Aber das ist noch nicht alles, was das Slacklinen so genial gesundheitsfördernd macht. Das Schwingen des Bandes treibt Deinen Lymphfluss voran, was an sich schon ein Booster für Vitalität und Entschlackung ist (und viel mehr Spaß macht als das vielfach empfohlene Schwingen auf dem Zimmertrampolin). Zudem entwickelst Du eine ergonomische aufrechte Haltung, die Dich auch im Alltag fern der Line nicht mehr verlässt. Die vollkommene Konzentration, die das Balancieren über das schmale Band erfordert, bringt Dich in Deine Mitte und in Deinen Körper. Und ohne entspannte gleichmäßige Atmung kommst Du nicht weit. Das Slacklinen ist deshalb in meinen Augen ein vollkommenes ganzheitliches Training für Körper, Geist und Seele.


Zwar bin ich weit davon entfernt, ein Profi auf der Line zu sein – Sprünge und echte Kunststücke traue ich mir noch lange nicht zu. Aber das bisschen spielerische Training nebenbei hat mein sportliches Potential aktiviert, und ich habe begonnen zu begreifen, wie viel mehr ich mir und meinem genialen Körper zutrauen kann, und wie viel besser ich mich dadurch fühle. Beim ersten Mal Joggen habe ich dann sofort von meinen stabilen Fußgelenken und meiner gut antrainierten Beinmuskulatur profitiert. Beim ersten Mal Bouldern kamen mir Mikromuskulatur und ein ausgeprägtes Koordinationsgefühl entgegen. Und mit 35kmh am Mountainbike durch den Wald über Wurzel, Stock und Stein wäre mir vor drei Jahren noch vermutlich der Kopf weggerollt – heut kann mein Körper solche Erschütterungen auch bei ganz neuen Tätigkeiten exzellent abfedern und weiß in Sekundenbruchteilen, wie wo was zu verlagern ist, um mich zu schützen, zu stützen und zu tragen.


No risk, no pain – just fun!


Selbstverständlich stellt das alles nur meine ganz persönliche Meinung dar, und ich könnte mich vollkommen irren - ich könnte aber auch recht haben ;). Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren, und freue mich über jede Rückmeldung!

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