• Andrea Nowak

radikal entstressen

- über zellstress, antioxidantien und freie radikale -

Oxidativer Stress ist ganz wesentlich beteiligt am Fortschreiten von Alter und Krankheit. Können wir dem eigentlich entgegen wirken? Bei der Energiegewinnung in unseren Zellen entstehen ja ständig und unvermeidbar reaktive Sauerstoffverbindungen, besser bekannt als freie Radikale, die die unangenehme Eigenschaft haben, andere Moleküle durch ihre Reaktionsfreudigkeit zu beschädigen. Denn einem solchen oxidierten Sauerstoffmolekül fehlt ein Elektron, und dieses entreißt es kurzerhand dem nächstbesten anderen Molekül. Dieses andere, nun selbst unvollständig gewordene Molekül, tut nun das Gleiche mit einem dritten, und eine räuberische Kettenreaktion ist im Gange.


Damit kann unser Körper an und für sich ganz gut umgehen, er verfügt über eine Reihe von antioxidativen Stoffen, die in der Lage sind, diese Reaktion zu stoppen, ohne selbst zu Radikalen zu werden. Problematisch wird es erst, wenn die freien Radikalen gegenüber den Antioxidantien in der Überzahl sind. Dann verursacht der oxidative Stress Schäden an und in den Zellen, die uns müde und krank machen und uns vorzeitig altern lassen. Diese Schäden können sich durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Venenschwäche und Krampfadern äußern, durch ein Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit, des Energieniveaus und des allgemeinen Wohlfühlens, sie können zu Demenz, Schlaganfall, Mitochondriopathie und auch zu Krebs führen, wenn freie Radikale in das Zellinnere eindringen und dort die DNA beschädigen, und zu eingeschränkter Nährstoffverwertung, Hormonstörungen und Fehlern im Immunsystem, wenn sie die Zellmembranen angreifen. Wir sehen die frühen Folgen von oxidativem Stress an müder, faltiger Haut, Antriebslosigkeit und Infektanfälligkeit.


Um möglichst lange fit und jugendlich zu bleiben, kannst Du Dich also einerseits darüber schlau machen, durch welche Gewohnheiten Du Dein eigenes oxidatives Stresslevel unnötig erhöhst, und andererseits damit beginnen, dem ganz bewusst durch Antioxidantien entgegen zu wirken. Denn solange Dein Organismus über reichlich antioxidative Stoffe verfügt, greifen die freien Radikale Deine eigenen Gewebe nicht an. Antioxidantien gehen sehr großzügig mit ihren Elektronen um und werfen sie den Radikalen sozusagen freiwillig entgegen, so dass es gar nicht erst zu der oben beschriebenen Kettenreaktion kommt.


Man geht davon aus, dass jede einzelne Zelle täglich rund 10.000 Angriffen durch reaktive Sauerstoffspezies ausgesetzt ist. Das gilt für einen gesunden Menschen mit einem normalen Lebensstil – sind wir krank, oder pflegen wir ungünstige Gewohnheiten, wie zB Rauchen, intensive Nutzung elektronischer Medien oder auch exzessiven Sport, sind es entsprechend mehr. Auch Medikamente, synthetische Körperpflege, denaturierte Nahrung und synthetische Lebensmittelzusätze erhöhen den oxidativen Stress, genauso wie Umweltgifte, Pestizide in unserer Nahrung, und viele andere, heute allgegenwärtige Faktoren. Das Rezept, um dem zu begegnen, es liegt auf der Hand, ist eine antioxidantienreiche Ernährung. Welche Lebensmittel wirken also besonders antioxidativ?


Du hast es sicher schon vermutet: frisches, sonnengereiftes Gemüse und Obst, aber auch Kräuter, Salate, Keimlinge und Nüsse sind besonders antioxidantienreich. Noch reicher sind grüne Wildpflanzen, wie zB Löwenzahn, Vogelmiere und Giersch. Naturbelassene Öle, wie natives Leinöl, Hanföl und Olivenöl, runden das Ernährungsprogramm gegen freie Radikale ab. Vitamin C ist das wohl bekannteste, wenn auch nicht das aller wirkungsstärkste Antioxidanz – OPC zum Beispiel, enthalten unter anderem in Traubenkernen, gilt als 50 mal stärker als Vitamin C, und hat dazu noch die wunderbare Eigenschaft, Vitamine, die im Kampf gegen freie Radikale unbrauchbar geworden sind, blitzschnell zu regenerieren. Vitamin E, das Du vor allem in Weizenkeimöl, Kokosöl und Nüssen findest, ist allgemein bekannt für seine Anti-Aging-Wirkung – weniger oft hört man in diesem Zusammenhang von Selen, an dem es in unseren Breiten den meisten Menschen mangelt. Es ist in großen Mengen in Paranüssen enthalten – mit ca 3 Paranüssen pro Tag kannst Du Deinen Selen-Bedarf decken und tust damit nicht nur etwas gegen freie Radikale, sondern lieferst Deinem Körper auch ein zum Entgiften dringend benötigtes Spurenelement. Astaxanthin, ein Carotinoid, ist zwar super stark, aber über die Ernährung nicht ganz so leicht zu bekommen – es findet sich in manchen Algen und Fischen und ist in seiner reinen, konzentrierten Form als Nahrungsergänzungsmittel bekannt geworden. Kurkuma, Ingwer, Zwiebeln und Knoblauch sind dagegen leichter in die tägliche Ernährung zu integrieren.


Diese Aufzählung ist alles andere als vollständig, es gibt eine riesige Menge an antioxidativ wirkenden Stoffen, die uns die Natur anbietet. Problematisch ist nur, dass die meisten dieser Substanzen nicht besonders stabil sind. Lange Transportwege und Lagerzeiten, Verarbeiten und Erhitzen zerstören einen Großteil der wertvollen Inhaltsstoffe unserer Nahrung. Konventionelles, nicht biologisch angebautes Gemüse verfügt von vornherein nur über geringe Mengen an diesen Stoffen, die die Pflanzen ja ausbilden, um sich gegen Schädlinge zu schützen, was sie dank dem reichlichen Einsatz von Pestiziden und Fungiziden in der konventionellen Landwirtschaft nicht müssen. Und auch, wenn wir unser gutes Bio-Obst in eine Schale Joghurt schnippeln, bleibt von seinem schützenden Potential nicht viel übrig, da bestimmte in Milchprodukten vorhandene Aminosäuren die Antioxidantien unwirksam machen. Wer seinen Brokkoli in der Mikrowelle aufwärmt, hat sogar eine Garantie auf die Abwesenheit aller Stoffe, die dem Wirken der freien Radikalen Einhalt gebieten könnten. Für mich persönlich hat es sich daher bewährt, Antioxidantien als Nahrungsergänzung zu supplementieren, obwohl auf meinem Speiseplan reichlich frische und grüne Lebensmittel zu finden sind. Ich habe einfach das Gefühl, dass all der frische Salat aus meinem eigenen Garten, die vielen selbstgezogenen Kräuter und Sprossen und die wertvollen nativen Öle, mit denen ich mich verwöhne, immer noch nicht ausreichen, um meinen Zigarettenkonsum, mein Arbeiten am PC und mein geliebtes Sonnenbaden auszugleichen – ich spüre und sehe ganz deutlich, wie viel frischer ich bin, wenn ich täglich zusätzliche hochwertige Antioxidantien einnehme.


Wer diesen Weg wählt, sollte sehr genau darauf achten, nur ganzheitliche Produkte einzunehmen – das sind solche, in denen ein Stoff in seiner natürlichen Form vorliegt, also weder synthetisiert noch isoliert. So gut mir meine Extraportion Vitamin C aus Camu Camu tut, so schlecht und gesundheitsgefährdend wäre Ascorbinsäure. Mein Vitamin B-Komplex aus Buchweizenkeimlingen ist auch langfristig und hochdosiert ein Segen für meine Haut und meine Nerven, aber das künstliche B-Vitamin Folsäure, wie es allen schwangeren Frauen dringend empfohlen und verschrieben wird, schneidet in Studien bedenklich ab und soll deshalb nicht auf Dauer und nicht überdosiert eingenommen werden. Während natürliches Vitamin E in der Krebsprophylaxe eine große Rolle spielt, deuten Langzeitstudien mit synthetischem Vitamin E sogar auf eine kanzerogene Wirkung hin. Bestimmt gibt es einige Nährstoffe, die im Labor hinreichend ident nachgebaut werden können – da ich aber nicht wirklich unterscheiden kann, welche von den Nachbauten nun tip-top und welche ungünstig sind, halte ich mich auf der sicheren Seite und nehme ausschließlich Naturprodukte zur Supplementierung. Die Grenzen zwischen Ergänzungs- und Nahrungsmittel sind dann auch fließend, zB trinke ich täglich einen Schluck Leinöl, futter Papayakerne, esse Algen in Form von Presslingen und ziehe Kresse am Fenster: ist das nun noch Ernährung oder schon Ergänzung?


Sicher kann man auch ganz ohne Nahrungsergänzungen einen hohen Level an Antioxidantien im Körper aufrechterhalten. Allerdings muss man dafür einen gewissen Aufwand betreiben und auch viel Fachwissen mitbringen, und wenn man in der Stadt ohne eigenen Garten und ohne Zugang zu ganz frischen unbelasteten Wildkräutern lebt, dann, glaube ich, ist es eigentlich nicht wirklich schaffbar. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, kann sein dass ich mich irre, kann aber auch sein, dass ich Recht habe.

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